opwoco realisiert Werbespot nur mithilfe eines iPhones


Hallo Zusammen!

 

Mein Name ist Nikolai Brinkmöller von der Filmproduktion inceniofilm. Die Kollegen von opwoco haben mich gebeten, einen kleinen Beitrag über unser letztes gemeinsames Projekt zu schreiben, bei dem wir einen Werbespot nur mithilfe eines iPhones gedreht haben – ja, Sie haben richtig gelesen – ein „Shot on the iPhone“.

 

 

Im Spätherbst 2014 klingelte bei uns im Büro das Telefon. Am anderen Ende der Leitung Patrick Bröckers von der Firma opwoco: „Hey Niko, wir müssen uns mal wieder zusammensetzen. Ich habe da eine Idee für ein neues Projekt.“ Kurzerhand wurde ein Treffen arrangiert und Patrick präsentierte uns seine neueste Anschaffung – ein Longboard, das per App gesteuert wird. Dies musste natürlich direkt auf dem Firmenparkplatz demonstriert und ausprobiert werden. Nach der kleinen, sportlichen Unterbrechung und einer Tasse Kaffee begann das Brainstorming – das App-gesteuerte Longboard war dabei maßgebend:

Dass heute fast jeder mit einem Smartphone durch die Welt geht, ist keine große Überraschung mehr. Beim Thema „Mobile App“ ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Apps sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie vereinfachen nicht nur Prozesse, sondern revolutionieren unseren Tagesablauf und bieten dabei Möglichkeiten, die vorher nicht denkbar waren – oder hätten Sie als Teenager mal gedacht, dass Sie irgendwann per „Telefon“ skaten können? Ich jedenfalls nicht!

 

Die Tatsache, dass die kleinen Anwendungen immer häufiger eine Rolle in unserem Leben spielen, machte uns schnell bewusst wie der „Shot on iPhone“ aussehen sollte. Wir wollten eine realistische Morgensituation nachstellen, um Bewusstsein dafür zu wecken, in welchen Situationen wir Apps bereits nutzen. Oft sind die Situationen schon so alltäglich und selbstverständlich, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken oder diese wahrnehmen. Ob jetzt jeder eine solche Morgenroutine wie im Spot entwickelt hat, bei dem das Smartphone jeden Schritt begleitet, sei dahin gestellt. Aber ich bin mir sicher, dass es die eine oder andere Situation gibt, mit der Sie sich ganz persönlich identifizieren können… oder etwa nicht?

 

Relativ schnell waren wir uns über den roten Faden des Spots einig, bis Patrick uns – in bester Steve Jobs Manier – „one more thing“ eröffnete: „In unserem Spot geht es um Smartphones und Apps im Alltag. Ich fände den Film besonders aussagekräftig, wenn wir diesen dann auch konsequent mit einem Smartphone drehen.“

„Aha, das klingt ja interessant!“, so unsere erste Reaktion. Mal ganz ehrlich: wie soll man schon reagieren, wenn ein Kunde mit einer solch ausgefallenen Idee um die Ecke kommt? Eine Woche vorher haben wir noch ein Projekt mit einer RED Cinema Kamera und einem verlustfreien RAW-Workflow abgedreht und jetzt sollen wir mit einem Telefon filmen!?

 

Am Ende des Meetings haben wir beschlossen, die Frage nach der Kamera noch nicht zu beantworten, um die Idee weiter reifen zu lassen. In den darauffolgenden Tagen recherchierte ich ein wenig zum Thema „Filmen mit dem iPhone“. Ich musste feststellen, dass die Idee, einen Spot komplett mit einem iPhone zu drehen, nicht komplett neu war und schon einmal vom Luxusfahrzeug-Hersteller Bentley umgesetzt wurde. Allerdings drehte man alles in schwarz/weiß (was dann doch einfacher ist, weil man sich nicht an dem Weißabgleich stören muss) und man hatte ein riesiges Budget um alles rund um das iPhone auf ein sehr hohes Broadcast-Level zu bringen. Das iPhone wurde so präpariert, dass man auf professionelle Kameraoptiken adaptieren konnte, was am Ende kaum noch etwas mit dem „Shot on iPhone“ zu tun hatte.

 

Für unser Projekt kam ein Filmdreh dieser Größenordnung und Art natürlich nicht in Frage. Wir mussten zuerst einmal herausfinden, wie leistungsfähig das Smartphone ohne „Extra-Equipment“ ist bzw. welche Resultate „right-out-of-the-box“ erzielt werden können, unabhängig vom vorhandenen Budget. Eine gefundene Herausforderung, die ich nach einigen Überlegungen unbedingt umsetzen wollte. Ich rief Patrick an und sagte ihm zu: Wir würden einen Werbespot mit einem iPhone drehen!

 

Die erste Herausforderung, der wir gegenüberstanden, war es eine geeignete Kameraführung zu finden. Auch wenn die Auflösung bei dem iPhone sehr gut ist, hat man sich bei Apple auf keine Gewinde im Gehäuse eingelassen, um es effektiv als Kamera nutzen zu können. Nach ersten Ansätzen, war die Lösung ein Plastikadapter von eBay. Nichts Hochwertiges oder Aufregendes, einfach nur ein Stück Plastik mit dem man das Smartphone einklemmen kann und an einer Seite ein Gewinde hat. Mit diesem Adapter waren wir von jetzt an kompatibel mit so ziemlich jeder Befestigungslösung – von Broadcast bis Baumarkt.

 

Nachdem wir das iPhone fast überall anbringen konnten, stand den Dreharbeiten nichts mehr im Weg. Die technischen Einschränkungen des iPhones, in Form von Optik, der Komprimierung oder der Bildrate sind die eine Sache, viel schlimmer ist es aber für einen Kameramann, wenn er die Kontrolle seiner Kamera in die Hände von Autofunktionen legen muss. Während der Dreharbeiten hatte ich nur die Möglichkeit mich auf diese Funktionen zu verlassen, da bis auf eine grobe Fokusselektierung und einer sehr primitiven Helligkeitsanpassung, keine weiteren Einstellungen vorgenommen werden konnten. Insbesondere bei den Nacht- bzw. Morgenaufnahmen, bei denen nur relativ wenig Licht vorhanden ist, ist es fatal, keine Herrschaft über das Blenden zu haben.

 

Es gab eine Anzahl Punkte, mit denen in der Post-Produktion neue Probleme geschaffen wurden. Ein halbautomatisch generiertes Bild, ein vorgegebenes Farbspektrum und eine sehr starke Bildkomprimierung tragen nicht gerade zu einem guten Worklflow bei, was wiederum viel Zeit in der Nachbearbeitung mit sich bringt, um die bewegten Bilder zu optimieren und aufzumöbeln. Zunächst mussten wir das komplette Material erst einmal auf europäische Verhältnisse anpassen und alles was wir gedreht hatten auf 25 Bilder pro Sekunden runterrechnen. Nativ dreht das iPhone mit einer Bildrate von 30 fps oder 60 fps, je nach ausgewähltem Modus. Das Schneiden selbst war kein größeres Problem, da wir zuvor alles in Proxy-Medien umgerechnet hatten.

 

Nach der Frage der Befestigung und dem Drehen mit wenigen Funktionen, war die nächste große Herausforderung die Farbkorrektur – der Mount Everest der Herausforderungen. Von Foto-Kameras mit denen man auch Filmen kann, ist man es schon gewohnt, einen sehr geringen dynamischen Umfang zu haben, der wenig Möglichkeiten zur Farbkorrektur bietet. Bei Filmmaterialien vom iPhone hingegen, ist das nochmal eine ganz andere Geschichte, da die Möglichkeiten dort gegen Null gehen. Mit einer Vielzahl von Masken und verschiedenen Ebenen, erhielten wir dann schließlich doch irgendwie den Look, den wir erzielen wollten. Es ist also nicht unmöglich, nur unglaublich zeit- aufwendig.

 

Sollten wir in Zukunft wieder gefragt werden, ob wir einen Spot oder Film mit einem iPhone drehen, wissen wir nun, dass wir deutlich mehr Aufwand für die Post-Produktion einkalkulieren müssen. Die Erfahrungen, die wir aus diesem Projekt mitnehmen können, sind, dass das iPhone eine wahnsinnig gute Kamera hat, mit der man wirklich tolle Aufnahmen machen kann. Durch die Software-Automatiken hat man zwar wenig Kontrolle über das was man filmt. Für Laien aber, die die Kamera nur dafür nutzen, Momente mit Freunden, Familie oder Sonstigem festzuhalten, bieten diese Automatiken erstaunliche Ergebnisse und reichen somit vollkommen aus.

 

Die eigentliche Faszination geht allerdings vom Smartphone selber aus, denn wie gesagt haben wir nicht mit einem neuen Produkt aus der Filmwelt gearbeitet, sondern mit einem Telefon. Was vor gut zehn Jahren noch undenkbar war, ist heute ein selbstverständliches Potential, dass man in gewohnter Weise tagtäglich in der Hosentasche mit sich führt. Das bietet Chancen und Möglichkeiten – denn am Ende ist es schließlich die Story die einen guten Film ausmacht und nicht die Kamera oder das Schnittprogramm.

 

Haben Sie noch Fragen zu dem Thema „Filmen mit dem iPhone“ oder wünschen Sie generell Informationen zum Thema „Bewegtbild“, sprechen Sie uns einfach an oder besuchen Sie uns auf unserer Internetseite.